Lernabdrücke

In der Serie Didaktische Kleinigkeiten, Staffel 1, Episode 8 möchte ich dazu anregen über das Lernen nachzudenken. Und zwar anhand einer Visualisierung des eigenen Lernprozesses. Diesen Freitag folgt dann Episode 9, in der es um die Umwandlung eines Präsenzseminars in ein Online-Seminar gehen wird. Wenn Sie keine Episode versäumen möchten, abonnieren Sie unseren Blog!

Worum geht es?

In der letzten Episode erzählte ich ja von meiner Freude in MOOCs zu lernen und wie spannend die Teilnahme in meinem ersten MOOC – dem #change11 MOOC von Georg Siemens und Stephen Downes – war. Dort lernte ich Jenny Mackness kennen, von der ich mir viel für mein eigenes Bloggen abschaute. Jenny bloggt auf Jenny Connected über unterschiedliche Aspekte des (Online-)Lernens.

Sie ist auch eine der ErfinderInnen der Footprints of Emergence, der Fußabdrücke emergenter Lernprozesse, unserer Lernabdrücke. Ich habe in einer Episode bereits vom Projekt InnovaT erzählt, für das ich spanisches Lernmaterial erstelle und in dem ich jetzt gerade die Fußabdrücke emergenter Lernprozesse übersetze.

2012 lernte ich die Footprints kennen, 2013 übersetzte ich sie das erste Mal, unterstützt von zwei Kolleginnen, aus dem Englischen ins Deutsche. Diese Übersetzung haben wir noch viele Male geschärft und nachgebessert. Ein bisschen unterstützt mich dabei auch mein Wissen aus dem Studium Übersetzen, in dem ich damals ein paar Jahre lang aus dem Italienischen und Spanischen übersetzte.

Die Footprints of Emergence können bei der Planung des Unterrichts eingesetzt werden – zur Reflexion der didaktischen Konzepte, oder in Bezug auf Lernprozesse im Unterricht, wenn unsere Studierenden eine Lehrveranstaltung oder ein Praktikum reflektieren. Doch irgendwie waren die Footprints immer noch etwas sperrig, zu akademisch, schwer zu verstehen.

Wie lösen wir das Dilemma?

2018 beschlossen wir am ZML die Footprints zu vereinfachen, aus 25 Faktoren rund ums Lernen 16 zu machen. Die Beschreibungen zu vereinfachen, klare Fragen zu den einzelnen Faktoren zu stellen. Und das ZML-Videoteam stellte die Komplexität der Footprints in einem Video dar.

Das eigene Lernen mit den Footprints reflektieren

Da die Footprints dazu anregen über das Lernen nachzudenken, habe ich mir meinen Lernprozess in der Erstellung der spanischen Lernmaterialien angesehen. Auf einen Blick kann man wahrnehmen, dass ich bei dieser Aufgabe ziemlich gefordert, wenn nicht überfordert bin.

Footprint of Emergence

In der Mitte der Grafik befindet sich der vorgeschriebene, sichere, oft fade Ort beim Lernen. Der dunkelorange Reifen außen ist der Bereich des herausfordernden Lernens. So bin ich etwa beim Faktor Fehler (Risk) (links, Mitte) sehr herausgefordert, denn wenn ich falsch übersetze, können die KollegInnen in Lateinamerika mit meinem Material nichts anfangen. Oder die Überlegungen zu meiner Identität (unten): auch da plage ich mich, plötzlich ist meine Identität der Übersetzerin gefragt, die ich wirklich seit vielen Jahren vernachlässige. Am schwierigsten finde ich jedoch das Alleine arbeiten (unten)! Würde ich jetzt mit meiner argentinischen Familie zusammensitzen, würde das Material nur so hervorsprudeln.

Und trotzdem helfen die Reflexion und die Grafik. Sie geben mir Abstand, zeigen mir die Parameter, an denen ich drehen kann – vielleicht doch um Hilfe bei der Verwandtschaft anfragen? Oder die spanisch-sprachigen ProjektpartnerInnen nerven?

Meine Checkliste

  • Ich habe mir das Footprint-Video angesehen, um ein bisschen mehr über diese Reflexionsmethode zu wissen.
  • Ich probiere die Reflexion mit den Footprints aus und reflektiere vielleicht, was ich alles gelernt habe in den letzten Wochen – mit dem deutschen Footprint, oder dem spanischen.
  • Ich überlege mir den Einsatz der Footprints in meiner Lehre.

Viel Erfolg bei der Implementierung und Adaption, Jutta Pauschenwein alias jupidu